4.3.2 Bewegliche trennende Schutzeinrichtungen

Wenn der Zugang zum Gefahrbereich während des normalen Betriebs oder zu Wartungszwecken notwendig ist, sollten berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen wie z. B. Sicherheits-Lichtvorhänge oder bewegliche trennende Schutzeinrichtungen wie z. B. Schutztüren oder Klappen eingesetzt werden. Solche bewegliche trennende Schutzeinrichtungen müssen über Sicherheitsschalter oder Sicherheits-Zuhaltungen, positionsüberwacht, und elektrisch mit der Steuerung verbunden sein (weitere Anforderungen siehe EN ISO 12100).

Die EN ISO 14119:2014-03 unterscheidet prinzipiell zwei Arten von Sicherheitsschaltern (in der Norm „Verriegelungseinrichtungen“ genannt). „Verriegelungseinrichtungen ohne Zuhaltung“ und „Verriegelungseinrichtungen mit Zuhaltung“. Diese Sicherheitsschalter müssen so aufgebaut sein, dass sie nicht mit einfachen Mitteln manipulierbar sind.

Bewegliche trennende Schutzeinrichtungen mit Sicherheitsschaltern (ohne Zuhaltung)

Sicherheitsschalter (ohne Zuhaltung) dienen der Stellungsüberwachung von z. B. Schutztüren oder Klappen. Ein Öffnen der trennenden Schutzeinrichtung ist jederzeit möglich. Sobald die trennende Schutzeinrichtung nicht mehr geschlossen ist, wird ein Stoppbefehl erzeugt. Damit die gefahrbringende Bewegung rechtzeitig zum Stillstand gekommen ist bevor die Gefahrstelle erreicht werden kann, muss ein geeigneter Sicherheitsabstand von Schutzeinrichtung zur Gefahrstelle eingehalten werden.

Wenn keine C-Norm oder andere maschinenspezifische Vorschriften vorliegen, kann der erforderliche Sicherheitsabstand S z. B. mit der in der EN ISO 13855 vorgegebenen Berechnungsformel ermittelt werden:

S = (K * T) + C
S Mindestabstand in Millimetern, gemessen vom Gefahrbereich zum Sicherheitsschalter
K 1600 mm/ms Annäherungsgeschwindigkeit des Körpers oder von Körperteilen in Millimeter / Sekunde
T Nachlauf des gesamten Systems in Sekunden
C zusätzlicher Abstand
(wird aus Tabelle 4 von ISO 13855 entnommen, falls es möglich ist, die Finger oder die Hand durch die Öffnung in Richtung des Gefährdungsbereich zu stecken, bevor ein Stoppsignal erzeugt wird.)

Siehe Leuze electronic Sicherheitsschalter (ohne Zuhaltung)
 

Bewegliche trennende Schutzeinrichtungen mit Sicherheits-Zuhaltungen

Sicherheits-Zuhaltungen halten die trennende Schutzeinrichtung in geschlossener Position. Sie werden immer dann eingesetzt, wenn die gefahrbringende Maschinenfunktion nach Öffnen der Schutzeinrichtung nicht beendet ist, bevor eine Person die Gefahrstelle erreichen kann (z. B. bei langen Nachlaufzeiten der Maschine). Durch die Zuhaltung bleibt die Schutzeinrichtung so lange geschlossen, bis der gefahrbringende Zustand beendet ist.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist der Maschinenschutz. Sicherheits-Zuhaltungen werden häufig auch dann eingesetzt, wenn undefinierte Unterbrechungen des Fertigungsprozesses aus Gründen der Prozesssicherheit vermieden werden sollen (siehe auch EN IEC 60204-1, Ziffer 9.4.1).

Die EN ISO 14119:2014-03 unterscheidet bei der technischen Ausführung von energiebetätigten Zuhalteeinrichtungen zwei Varianten:

  • Federkraftbetätigt und durch Energie (z. B. elektrisches Signal) entsperrt
  • Energiebetätigt (z. B. Elektromagnet) und durch Federkraft entsperrt

Sicherheits-Zuhaltungen mit federkraftbetätigter Zuhaltung bleiben auch bei Energieausfall an der gesamten Maschine verriegelt und halten somit eine Schutztüre auch während der Nachlaufphase der Maschine blockiert. Aufgrund dieser Eigenschaft werden sie für Personenschutzanwendungen den energiebetätigten (magnetkraftbetätigten) Sicherheits-Zuhaltungen vorgezogen. Magnetkraftbetätigte Zuhalteeinrichtungen werden häufig für den Maschinenschutz eingesetzt.

Siehe Leuze electronic Sicherheits-Zuhaltungen.