Kompakte Technik trumpft groß auf
Sicherheits-Laserscanner haben sich in automatisierten Anlagen und Produktionsumgebungen als effiziente Lösungen für den Schutz von Mensch und Maschine etabliert. Benjamin Schmid, Chief Innovation Officer bei Leuze, erläutert im Gespräch die Vorteile dieser Technik und weshalb ultra-kompakte Modelle im Kommen sind.
Herr Schmid, weshalb spielen Sicherheits-Laserscanner für viele Anwendungen in der Industrie eine wichtige Rolle?
Benjamin Schmid: Sicherheits-Laserscanner sind ein Schlüsselwerkzeug, um Mensch und Maschine in der Industrie 4.0 zuverlässig zu schützen. Sie bieten eine enorme Flexibilität mit ihren frei konfigurierbaren Sicherheitszonen, die sich dynamisch anpassen lassen. Ein Beispiel ist die Absicherung von fahrerlosen Transportsystemen in der Logistik: Hier müssen die Scanner nicht nur Hindernisse erkennen, sondern die Sicherheitszonen jederzeit an die Bewegungsrichtung des Fahrzeugs anpassen. Ebenso eignen sie sich zur Zugangsüberwachung an Fertigungsanlagen, etwa bei Roboterschweißzellen. Der Scanner erkennt, wenn jemand in die Gefahrenzone eintritt und kann die Maschine sofort anhalten. Diese Technik ist auch bei kollaborativen Robotern unverzichtbar, hier können Laserscanner flexibel die Arbeitsumgebung überwachen. Und dann bei Annäherung einer Person die Robotergeschwindigkeit reduzieren oder diesen stoppen. All das macht die Geräte in der industriellen Automation aus meiner Sicht unverzichtbar.
In den vergangenen Jahren haben kompakte Geräte an Bedeutung gewonnen. Warum sind die Abmessungen eines Sicherheits-Laserscanners und dessen Integration immer öfter ein entscheidender Faktor für Anlagenbetreiber?
Benjamin Schmid: Um es etwas zugespitzt zu formulieren: In der Industrie zählt heute praktisch jeder Millimeter. Produktions- und Logistikumgebungen werden immer dichter gepackt, dadurch bleibt häufig auch weniger Fläche für die Sicherheitslösungen. Deshalb lässt sich ein Sicherheits-Laserscanner mit kleinen Abmessungen eben viel leichter integrieren. Hinzu kommt das Thema Gewicht: Jedes zusätzliche Gramm zählt. Ob an Maschinenfronten und Robotern, engen Förderstrecken oder am FTS, wo der Platz ohnehin begrenzt ist. Auch ein wichtiger Aspekt: Ausgeklügelte Installationsmethodik senkt die Installationskosten, weil man einfachere Halterungen nutzen kann und keine oder nur kleinere Gehäusekonstruktionen für die Sicherheitskomponente braucht. Manchmal bleibt einem als Anlagenbetreiber sogar erspart, eine bestehende Anlage umzubauen, wenn der neue Scanner deutlich kompakter ist als der alte. All das reduziert die Komplexität, den Aufwand und damit die Kosten.
Aber können diese ultra-kompakten Scanner bei der Leistung auch mit größeren Modellen mithalten?
Benjamin Schmid: Absolut. Dank moderner Technologien stehen kompakte Modelle ihren größeren Pendants in nichts nach. Die Leistung hängt nicht von der Größe ab, sondern von der zugrundeliegenden Technologie. Auch sehr kleine Laserscanner bieten dieselbe Präzision und Funktionalität – teils sogar noch mehr. So sind ultra-kompakte Geräte wie unser RSL 200 optimal für den Einsatz an FTS und AMR geeignet. Er ist der derzeit kleinste Sicherheits-Laserscanner auf dem Markt, kann dank drei Meter Reichweite und einem 275 Grad breiten Scanwinkel aber auch optimal zur Bereichssicherung an Maschinen und Anlagen verwendet werden. Und das bei geringerem Platzbedarf. Natürlich sind je nach Anlage manchmal größere Reichweiten erforderlich. In dem Fall lohnt sich dann ein Sicherheits-Laserscanner wie der große Bruder RSL 400 mit bis zu 8,25 Meter Reichweite. Dieser arbeitet mit bis zu zwei unabhängigen Schutzfunktionen und kann so zwei Scanner ersetzen – das macht wiederum die größeren Abmessungen wett.
Worauf sollten Anlagenbetreiber bei Sicherheits-Laserscannern noch achten?
Benjamin Schmid: Es ist wichtig, die spezifischen Anforderungen der Anlage zu analysieren. Soll der Scanner stationär oder mobil eingesetzt werden? Welche Reichweite und Auflösung werden benötigt? Neben Größe und Leistungsfähigkeit spielen auch Faktoren wie Schnittstellen und Flexibilität bei der Konfiguration beziehungsweise Diagnose eine Rolle. Für den RSL 200 bieten wir beispielsweise die RSL 200-App an, um auf Statusinformationen und Diagnosedaten zuzugreifen. Per Bluetooth lassen sich dann alle wichtigen Informationen aus der Entfernung erfassen. Das kann sehr praktisch sein, wenn der Laserscanner in schwer einsehbaren Bereichen einer Anlage montiert ist. Oder wenn der Zugang zum Gerät eingeschränkt ist. Für das Auslesen der Informationen muss das Schutzfeld nicht betreten werden, die Maschine kann also unterbrechungsfrei weiterarbeiten. Nicht zu vergessen: Seit Januar 2025 gilt die neue ISO 13855, die Berechnungsgrundlage für den Sicherheitsabstand hat sich geändert. Deshalb sollte jeder Anlagenbetreiber seine Anlagen und die Positionierung von Schutzeinrichtungen diesbezüglich überprüfen lassen – Leuze unterstützt bei Fragen dazu gerne.
Chief Innovation Officer
bei Leuze