Internationale Normung

Normen sind Vereinbarungen zwischen verschiedenen Akteuren wie Herstellern, Betreibern, Prüfstellen, Behörden, etc., die nicht von Regierungen oder anderen staatlichen Stellen erarbeitet und verabschiedet werden. Sie haben deshalb keine unmittelbare Rechtswirkung, beschreiben aber den Stand der Technik zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung.
Normen können international (ISO, IEC), regional (z.B. europäisch) oder national (z.B. DIN, SN, NF, BS, etc.) gültig sein. Aus historischen Gründen gibt es sowohl rein nationale, rein europäische und internationale Normen. Häufig werden internationale Normen regional als EN ISO xxxxx oder EN IEC 6xxxx und national z.B. in Deutschland als DIN EN ISO xxxxx bzw. DIN IEC 6xxxx übernommen. 
Normen können von Anfang an als internationale Norm erarbeitet werden oder auch aus regionalen Normen (meist unter neuer Nummer mit teilweise neuem Inhalt) hervorgehen.

Für den Bereich Maschinensicherheit sind als international tätige Normungsorganisationen relevant:

   
ISO (International Standardization Organization) – publiziert Normen für vorzugsweise nicht elektrische Technologien
IEC (International Electrotechnical Commission) – publiziert Normen für den Bereich Elektrotechnik und Elektronik, Nachrichtentechnik, Energieerzeugung und –verteilung sowie weitere elektrotechnisch basierte Technologien.

 

Die Pendants auf europäischer Ebene sind:

   
CEN (Comité Européen der Normalisation) – erarbeitet und veröffentlicht eigene europäische Normen EN und übernimmt ISO-Normen als europäische Normen
CENELEC (Comité Européen der Normalisation Electrotechnique) – erarbeitet und veröffentlicht eigene  europäische Normen EN und übernimmt IEC-Normen als europäische Normen

 

Neben den Normen gibt es weitere Informationspapiere, die von ISO und IEC ausgegeben werden:

  • TS – Technische Spezifikation. Häufig als eine Art Vornorm (z.B. IEC/TS 62046)
  • TR – Technical Report. Enthält oft ergänzende Informationen zu einer Norm, die den Stand der Technik darstellen (z.B. ISO/TR 24119)

Neben den verabschiedeten Normen, die den Status „International Standard“ haben, gibt es Vorstufen im Normenerarbeitungsprozess wie

  • CD (Commitee Draft) - Arbeitsversion zur Kommentierung durch nationale Normungsgremien
  • DIS (Draft International Standard) – Zwischenentwurf zur öffentlichen Kommentierung
  • FDIS (Final Draft International Standard) – Schlussentwurf kurz vor der Verabschiedung

Auch wenn Normen mit diesem Status noch nicht normativ sind, zeigen sie den Stand der Technik auf und sind in Anbetracht des mehrjährigen Entstehungsprozesses einer Norm als Zwischenstufe für künftige Anwender und andere Normen-Wartungsgruppen interessant.

Klassifizierungssystem von Normen

Sowohl ISO und IEC als auch CEN und CENELEC verwenden folgendes Klassifizierungssystem von Normen für die Maschinensicherheit:

Typ A-Normen
Sicherheitsgrundnormen für einen bestimmten Fachbereich, z.B. ISO 12100 für die Maschinensicherheit, IEC 61508 für programmierbare Sicherheitssteuerungen

Typ B-Normen 
Sicherheitsgruppennormen für bestimmte Sicherheitsaspekte (B1) und bestimmte Sicherheitseinrichtungen (B2), die Bezug nehmen auf Typ A Normen

Typ C-Normen
Maschinenspezifische Sicherheitsnormen, die Bezug nehmen auf Typ B- und Typ A-Normen

Generell gilt: Bei abweichenden Anforderungen in verschieden eingestuften Normen haben Typ C-Normen Vorrang vor Typ B-Normen und diese wiederum Vorrang vor Typ A-Normen.

 

Hier eine Übersicht über ausgesuchte wichtige internationale Normen (ohne Jahresangabe):

Typ

Internationale Norm

Inhalt

A

ISO 12100

Sicherheit von Maschinen – allgemeine Gestaltungsleitsätze – Risikobeurteilung und Risikominderung

A

IEC 61508-1 ... 7

Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener elektrischer / elektronischer / programmierbarer elektronischer Systeme

B

ISO 13849-1

Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen – Allgemeine Gestaltungsleitsätze

B

ISO 13849-2

Sicherheitsbezogene Teile von Steuerungen – Validierung

B

ISO 13850

Not-Halt - Gestaltungsleitsätze

B

ISO 13851

Zweihandschaltungen

B

ISO 13854

Mindestabstände zur Vermeidung des Quetschens von Körperteilen

B

ISO 13855

Anordnung von Schutzeinrichtungen im Hinblick auf die Annäherungsgeschwindigkeit von Körperteilen

B

ISO 13856-1 ... 3

Druckempfindliche Schutzeinrichtungen

B

ISO 13857

Sicherheitsabstände gegen das Erreichen von Gefährdungsbereichen mit den oberen und unteren Gliedmaßen

B

ISO 14118

Vermeidung von unerwartetem Anlauf

B

ISO 14119

Verriegelungseinrichtungen in Verbindung mit trennenden Schutzeinrichtungen

B

ISO 14120

Trennende Schutzeinrichtungen – allgemeine Anforderungen an Gestaltung und Bau

B

ISO 14122-1 ... 4

Ortsfeste Zugänge zu maschinellen Anlagen

B

IEC 60204-1

Elektrische Ausrüstung von Maschinen – Allgemeine Anforderungen

B

IEC 60947-5-1 ... 9

Niederspannungsschaltgeräte

B

IEC 61496-1 ... 4

Berührungslos wirkende Schutzeinrichtungen – Anforderungen und Prüfungen

B

IEC 61800-5-2

Anforderungen an die funktionale Sicherheit von elektrischen Leistungsantriebssystemen mit einstellbarer Drehzahl

B

IEC 61800-5-3

Anforderungen an die Sicherheit von Encodern für elektrische Antriebe mit einstellbarer Drehzahl

B

IEC 62046

Anwendung von Schutzausrüstungen zur Anwesenheitserkennung von Personen

B

IEC 62061

Funktionale Sicherheit sicherheitsbezogener, elektronischer und programmierbarer elektronischer Steuerungssysteme

C

ISO 3691-4

Flurförderzeuge - Sicherheitstechnische Anforderungen und Verifizierung

C

ISO 10218-1, -2

Industrieroboter und Industrierobotersysteme

C

ISO 11111-1 ... 7

Textilmaschinen

C

ISO 11553-1 ... 3

Laserbearbeitungsmaschinen

C

ISO 11161

Integrierte Fertigungssysteme

C

ISO 16092-1 ... 4

Sicherheit von Pressen, mechanisch, hydraulisch, pneumatisch

C

ISO 19085-1 ... 17

Holzbearbeitungsmaschinen

C

ISO 24134

Flurförderzeuge - Zusätzliche Anforderungen für automatische Funktionen von Staplern

 

Typ C-Normen, die speziell für Europa gelten (Normen EN …), finden Sie hier:

Europäische Normen